Look at the Woman - Mizoguchi und die Frauen

Posted by : Patrick | Montag, 17. August 2009 | Published in

Erster Teil eines längeren Texts über die Frauenfiguren in den Filmen der 30er Jahre von Kenji Mizoguchi.



(Kenji Mizoguchi 1898 - 1956)

Die Rezeption des Werks von Kenji Mizoguchi ereilte das Schicksal, das so viele japanische Meisterregisseure ereilte. Erst durch den Erfolg auf diversen europäischen Festivals, mit Filmen wie Saikaku ichidai onna (Das Leben der Frau Oharu, 1952), Ugetsu monogatari (Ugetsu - Erzählungen unter dem Regenmond, 1953) und Sanshô dayû (Ein Leben ohne Freiheit, 1954) wurde der Japaner im Westen bemerkt – vor allem durch die Kritiker der Cahiers du Cinema – und als 'Neuentdeckung' gefeiert. Wobei man bedenken muss, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine knapp 30-jährige Karriere zurückblicken konnte während der er fast 80 Filme gedreht hatte.

(Still aus: "Ugetsu monogatari")


Als die Europäer mal wieder entzückt das Talent dieses Regisseurs lobten, hatte der seine interessanteste Phase eigentlich hinter sich. Für mich beinhaltet sie besonders seine Filme aus den 30er Jahren. Zum einen, weil Mizoguchi hier noch seinen Stil sucht und sich dabei immer wieder ins Experimentelle wagt. Zum anderen, weil seine Filme zu der Zeit auf so eindringliche Weise den Wandel der Frauenrolle in der japanischen Gesellschaft widerspiegeln. Sie denken die Entwicklung weiter, führen sie in Extreme oder zwängen sie zurück in ältere Rollenmodelle.

Die Frau in der japanischen Gesellschaft erlebte in der Phase zwischen den Weltkriegen einen leichten Emanzipationsschub. Den öffentlichen Raum okkupierten vor allem die shokugkyo fujin (die arbeitende Frau). Die Berufsauswahl beschränkte sich allerdings auf Jobs, für die keine besondere Qualifikation von Nöten war. Erst in den späten 20er Jahren rückte die Diskussion über die ataroshii onna (neue Frau) in den Mittelpunkt. Dies schlug sich auch auf der Leinwand wieder. Es verschwanden die onnagata (Männer die Frauenrollen verkörperten) und machten den Weg frei für die ersten weiblichen Stars des japansichen Kinos, wie Isuzu Yamada, Takako Rie oder auch Kinuyo Tanake. In den Kinoerzählungen zahlten die weiblichen Heldinnen allerdings ihre neugewonnene Emanzipation meist mit einer tiefgreifenden Strafe (nicht selten mit dem Tod).


(Isuzu Yamada in "Sisters of the Gion")


Das einmalige an Mizoguchi ist es, dass es ihm gelingt in aller denkbaren Bescheidenheit, den zeitgenössischen Kontext zwar wiederzugeben, dabei es aber gleichzeitig schafft, sich in seinem Erzählraum völlig frei von der Wiedergabe der realen Verhältnisse zu machen. Damit lässt er sich den nötigen Platz für kleine narrative, wie auch formale Experimente.


Mizoguchis Filme vor dem 2.Weltkrieg könnte man als weibliche Melodramen charakterisieren, die in der japanischen Kinematographie natürlich ihre Wurzeln in der Tradion des Kabuki, Bunaru oder Shnipa-Theaters haben. Das weibliche Schicksal, ist hier das Porträt einer aufopfernden Leidensbereitschaft. Es ist das Bild einer Frau, die ihr Leben und ihre Tugend dem Mann ihres Lebens opfert, der meist eine äußerst schwächliche Gestalt ist.


(Still aus: "Taki no shiraito")


Das Sinnbild einer idealen, talentierten, selbstlosen, liebenden (und – das ist bei Mizoguchi wichtig – auch für die Liebe empfänglichen) , aufopfernden Frau, schuf Mizoguchi 1933 in Taki no shiraito (Die weißen Fäden des Wasserfalls).


Ende Teil 1


(weiter geht es dann mit den Filmen: „Taki no shiraito“ / „Orizuru Osen“ (Osen mit den Papierkranichen,1935) / „Maria no Oyuki“ (Oyuki, die Jungfrau,1935) / „Gubijinsô“ (Mohnblumen,1935) / „Naniwa erejî“ (Elegie in Naniwa,1936) / „Aien kyo“ (The Straits of Love and Hate,1937) / „Zangiku monogatari“ (Erzählung von den späten Chrysanthemen,1939)


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